XXelle NRW – mit Leidenschaft und Energie für Frauen mit HIV/Aids in NRW

Vernetzung ist nicht nur sinnvoll, sondern von entscheidender Bedeutung, wenn man Veränderungen erreichen will. Das gilt für den kleinen wie den großen Maßstab. In der Region und direkt vor Ort betrifft dies im Falle der Frauen mit HIV/Aids meist die operative Ebene. Hier werden Kräfte und Fachwissen gebündelt, die Berater*innen sind im kontinuierlichen Austausch. Sie organisieren sich, um so effizient wie möglich die Bedarfe der Klientinnen erfüllen zu können. Diese Art der Zusammenarbeit ist gerade in Bezug auf den Zugang zur medizinischen Versorgung in ländlicher Struktur von großer Bedeutung, denn die enormen Distanzen zu den Schwerpunktpraxen sind mit einem großen Zeitumfang und enormer finanzieller Belastung für die Aidshilfen verbunden.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen mit HIV/Aids in NRW ist das Herzstück, von dem aus weitere wichtige Verbindungsfäden gesponnen werden. Hier treffen sich regelmäßig Vertreterinnen von ca. 25 Organisationen mit dem Beratungsschwerpunkt Frauen und HIV/Aids aus NRW um optimale Bedingungen für Frauen mit HIV/Aids zu schaffen, politisch zu arbeiten und den Frauen Angebote zur Selbsthilfe zur Verfügung zu stellen. Dabei stehen die Bedürfnisse der Frauen stets im Mittelpunkt der Arbeit. Darüber hinaus geht es auch um die Formulierung strategischer Ziele und der Schritte dorthin. Es geht darum, Frauenthemen öffentlichkeitswirksam zu platzieren. Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen wie beispielsweise dem Prostituiertenschutzgesetz oder auch die Teilnahme an weltweiten Aktionen wie in diesem Jahr die #pussyhat, mit der weltweit und sichtbar für die Würde der Frauen demonstriert wurde (siehe Foto oben), sind nur einige Beispiele. Die LAG positioniert sich politisch, daher ist eine Vertreterin aus ihren Reihen Mitglied in der Landeskommission AIDS NRW, welche als Beratungsgremium die Landesregierung fachlich unterstützt. Auch hier verfolgt die LAG das Ziel, den Frauenthemen mehr Gewicht zu verleihen.

Ein Beispiel für eine konzentrierte vernetzte Aktion der XXelle-Frauen stellt die Entwicklung des Positionspapiers „Strukturelle Versorgung HIV/Aids in NRW“ dar. Alles begann damit, dass die in den ländlichen Regionen tätigen Frauen ihre gemeinsame Sorge bzgl. der zunehmenden schwerpunkt-ärztlichen Unterversorgung auf dem Land in den Arbeitsmeetings der LAG ansprachen. Um sich dem Thema in seiner Dringlichkeit besser annehmen zu können, gründete sich dort eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen der XXelle-Standorte Ahaus, Bielefeld, Dortmund, Paderborn und Unna. Sie erfassten in einem ersten Schritt die recht komplexe Ausgangssituation. Diese ist gelinde gesagt verbesserungswürdig. Denn es ist eine Tatsache, dass die Zahl der Schwerpunktpraxen stetig abnimmt, einmal altersbedingt, viele niedergelassene Schwerpunkt-Ärzt*innen gehen in Rente, zum anderen auch aus mangelndem Interesse angehender Ärzt*innen an einer Spezialisierung auf das Thema HIV und Aids bzw. an einer Tätigkeit im ländlichen Raum. So gibt es beispielsweise im Kreis Coesfeld keine Aidshilfe und darüber hinaus auch keine weiteren Beratungsangebote. 

Die meisten der vorhandenen Schwerpunktpraxen befinden sich in Großstädten. Die Organisation der An- und Abreise der Frauen mit HIV zu den Untersuchungsterminen in der Stadt nimmt daher auch aufgrund der schlechten ländlichen Infrastruktur mehr und mehr Zeit und finanzielle wie personelle Ressourcen in Anspruch. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeit der Beratungsstellen vor Ort. Verständigungsschwierigkeiten durch Sprachbarrieren oder eine fehlende Kinderbetreuung erschweren die Situation zusätzlich.

Auch das Angebot an anonymen HIV-Tests erwies sich bei der Recherche als nicht flächendeckend und niedrigschwellig genug. Es ist nicht ausreichend angepasst an die sich wandelnde Zielgruppe.

Zu guter Letzt wird in dem Positionspapier die aktuelle Situation hinsichtlich der Diskriminierung der Klient*innen angesprochen. Durch die eingeschränkte ärztliche Versorgungssituation auf dem Land haben Frauen und Männer mit HIV kaum eine Auswahl. Sie müssen meist die Praxis nehmen, die für sie erreichbar ist. Das bedeutet aber auch, dass sie dem medizinischen Personal im Grunde "ausgeliefert" sind, auch wenn dieses ihnen ängstlich und eventuell vorurteilsbeladen begegnen sollte.

Nach Feststellung dieser "mangel-haften" Ausgangssituation formulierten die Frauen der LAG-Arbeitsgruppe Forderungen an die Politik sowie die Ärzteschaft und ergänzten sie mit konkreten Handlungs- bzw. Lösungsvorschlägen. So ist von einer*m Schwerpunktbehandler*in pro Kreis die Rede und von einem Ausbau personeller und finanzieller Ressourcen. Die Zusammenarbeit der einzelnen Akteure im Gesundheitswesen auf kommunaler Ebene sollte gefördert werden. Dies sind nur einige Beispiele aus dem Papier. Im abschließenden Fazit wurden einmal mehr das Defizit in der Versorgung festgehalten und Wünsche für weitere zielführende Schritte formuliert. 

Schließlich trug die Arbeitsgruppe den Entwurf des Positionspapiers in die LAG, wo es diskutiert, finalisiert und an den Landesvorstand der Aidshilfe NRW weitergeleitet wurde. Gemeinsam besprechen Vorstand und LAG seitdem die nächsten Maßnahmen. Derzeit wird eine NRW-weite Datenerhebung mit dem Ziel einer Versorgungslandkarte angestrebt als Basis für weitere flächendeckende Initiativen.

Die landesweite Vernetzung der Frauen mit HIV/Aids machte diesen gesamten Prozess erst möglich. Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Lösung für die Situation gibt, wurden erste wichtige Schritte dahin eingeleitet. Und so ist die einmal ausgesprochene Sorge einzelner Mitarbeiter*innen nun eingebettet in einem landesweit agierenden Gremium und bekommt dadurch das ihr angemessene Gehör.

Manuela aus der Aidshilfe Westmünsterland in Ahaus betont bei der Zusammenarbeit der Frauen der LAG die Leidenschaft und den besonderen kollegialen Zusammenhalt, mit dem die Frauen für ein gemeinsames Ziel kämpfen, nämlich die Lebensbedingungen von Frauen mit HIV/Aids in NRW zu verbessern. 

Das braucht es auch.

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