Mit eigenen Worten ...

Ich heiße Johanna Verhoven und wurde 1989 in Bielefeld geboren. Nachdem Abitur und einem FSJ auf den Philippinen zog ich nach Paderborn und schloss dort im Jahr 2013 mein Studium der Sozialen Arbeit mit dem Bachelor ab. Den Masterstudiengang „Angewandte Sexualwissenschaft“ an der Hochschule Merseburg habe ich im Herbst 2016 abgeschlossen und arbeite zurzeit als Sozialarbeiterin in der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Im Jahr 2011 kam ich durch ein Praktikum im Rahmen meines Studiums zur AIDS-Hilfe Paderborn und bin noch heute ehrenamtlich dorttätig. Zunächst beschränkte sich mein Engagement auf Youthwork und Präventionsarbeit, bis ich vor drei Jahren in den Vorstand der AIDS-Hilfe Paderborn gewählt wurde.

Im Oktober 2016 wurde ich in den Landesvorstand der Aidshilfe NRW gewählt. Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen, in meiner Funktion als Vorstandsmitglied einige besondere Themen und Schwerpunkte meines beruflichen Alltags und ehrenamtlichen Engagements darzustellen.

Auf dem Land ist alles anders oder Nachteile eines Landlebens

Heute möchte ich Euch gerne etwas zu einem meiner Schwerpunktthemen berichten, nämlich der Versorgungssituation von Menschen mit HIV im ländlichen Gebiet. Die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW (LAG) hatte dazu im November ein Positionspapier an den Landesvorstand der Aidshilfe NRW gegeben, worüber wir uns im Februar gemeinsam beraten haben.

Als Aufhänger greife ich gerne auf das Ziel der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) aus 2014 zurück. Im Jahr 2020 sollte laut DAH in Deutschland niemand mehr an Aids erkranken. Das klingt sehr gut, oder? Erreichbar? Vielleicht. Aber betrachten wir die Versorgungssituation der Menschen auf dem Land, so scheint ein Gelingen derzeit mehr als fraglich.

Im ländlichen Bereich gibt es immer weniger Schwerpunktärzt*innen. Die vorhandenen sind meist alt und lösen ihre Praxen in absehbarer Zeit auf und für neue Ärzt*innen scheint eine entsprechende fachliche Zusatzausbildung nicht mehr attraktiv zu sein. Der Kreis Paderborn beispielsweise hat einen einzigen Schwerpunktbehandler, der sich noch dazu mit wehendem Kittel seiner Rente nähert. Eine weitere Schwerpunktärztin hat ihre Praxis vor drei Jahren geschlossen und damit 82 HIV-Patientinnen und Patienten hinterlassen. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Was passiert also mit den Menschen mit HIV? Wo gehen sie hin? Die nächste HIV-Ambulanz oder Schwerpunktpraxis ist manchmal über 100 Kilometer entfernt. Wie sollen Frauen mit Familie und/oder Job das schaffen? Und im ländlichen Bereich betrifft es meist die Frauen, denn die meisten Männer mit HIV leben in einer Großstadt. Wovon sollen Sie die zum Teil hohen Fahrtkosten bestreiten, wenn sie keinen Job haben? 

Eine Folge dieser Mangelversorgung ist vermutlich, dass weniger Frauen zu ihren Untersuchungen gehen und damit den Erfolg ihrer Therapie gefährden.

Eine Folge ist aber auch, dass die örtlichen Aidshilfen dadurch einen hohen Mehraufwand schultern müssen. Denn in der Regel sind es die Aidshilfen und andere themennahe Beratungsorganisationen wie die Schwangerschaftsberatung, die Diakonie oder die Caritas, die sich in der sekundären Prävention dafür einsetzen, dass Frauen sich in regelmäßigen Intervallen untersuchen lassen und ihre Therapie konsequent einhalten. Also stellen sie Fahrtkostenanträge, erkundigen sich nach Ärzt*innen oder auch Entbindungskliniken für Frauen mit HIV, organisieren die Fahrten und sorgen derweil für die Kinderbetreuung. Sie machen die Termine und sprechen oft vorab mit den Ärzt*innen, was überhaupt noch geht oder ob der Hausarzt/die Hausärztin nicht doch mal eine Patientin/einen Patienten mit HIV aufnehmen kann. Das sind nur einige Beispiele von vielen.

Bei Menschen mit Migrationshintergrund kommen weitere Faktoren erschwerend hinzu: Zum einen erfordert die Sprachbarriere oft den zusätzlichen Einsatz von Sprachmittler*innen, zum anderen besagt beispielsweise die Residenzpflicht bei Asylbewerbenden, dass sie den jeweiligen Kreis nicht ohne Genehmigung verlassen dürfen. Die Beantragung einer solchen Genehmigung dauert ewig und ist bei einem medizinisch notwendigen Besuchsintervall von drei Monaten ein unglaublicher – auch zeitlicher - Aufwand für die Aidshilfemitarbeiterinnen und –mitarbeiter.

Das alles ist für die kleinen Aidshilfen nur mit viel Vernetzungsarbeit zu stemmen, nur durch Zusammenarbeit – sei es mit den Kliniken, vorhandenen Schwerpunktpraxen, den Ämtern oder auch untereinander bzw. mit den bereits erwähnten weiteren Beratungsorganisationen. Ein anschauliches Beispiel für eine funktionierende Vernetzungsarbeit bieten Münster und Paderborn. Mitarbeiter*innen der Aids-Hilfe Münster nehmen bei Bedarf Klient*innen der AIDS-Hilfe Paderborn am Bahnhof entgegen und begleiten Sie zu der dortigen Schwerpunktpraxis und wieder zurück. Das klingt klein, ist aber ganz groß!

Ohne die Mitarbeit der Ehrenamtlichen wäre jedoch auch das nicht zu schaffen. Daher an dieser Stelle auch nochmal ein großes DANKESCHÖN an alle, die uns tatkräftig und ohne Gegenleistung bei unserer Arbeit unterstützen! Manche Aidshilfe besteht nur aus einer einzigen festangestellten Person. Hier würde ohne Ehrenamt wenig funktionieren können.

Aber zurück zur LAG: Die LAG Frauen und HIV/Aids in NRW setzt sich stark für eine Verbesserung der Versorgungssituation im ländlichen Gebiet ein. Sie empfiehlt beispielsweise, dass in jedem Kreis mindestens eine Schwerpunktpraxis zugänglich ist. Sowohl die Kommunen, als auch das Land NRW sollten bei der Verteilung von Zuständigkeiten darauf achten, dass keine „blinden Flecken“ entstehen, die sich negativ auf die Versorgung der Menschen mit HIV auswirken.

Ein erster Schritt auf dem Weg zur Verbesserung ist eine landesweite Bedarfserhebung um überhaupt festzustellen, wo eine Unterversorgung herrscht und wo genau die Probleme verortet sind. Um deren Start im Jahr 2018 möglich zu machen, ist die LAG mit dem Landesvorstand der Aidshilfe NRW im Gespräch.

Es gilt also einmal mehr: PACKEN WIR’S AN!

Ich halte Euch gerne auch weiter auf dem Laufenden dazu.

Bis bald wieder
Eure Johanna

PACKEN WIR´S AN!

Hallo liebe XXelle-Interessierten da draußen. Ihr habt es sicher schon gehört oder gelesen: Ich, Johanna Verhoven aus Paderborn, bin jetzt nach Natalie Rudi aus Oberhausen in den Vorstand der Aidshilfe NRW gewählt worden. Darüber freue ich mich natürlich sehr und bin auch gespannt auf Euch und die Themen, die ich gemeinsam mit dem Vorstand in den nächsten zwei Jahren lancieren und bearbeiten möchte. Von meiner Seite aus ist die Wahl bereits getroffen und ich habe mich mit drei Themengebieten beworben. Aber dazu später, denn ich möchte mich erst einmal kurz vorstellen: Ich komme aus dem Kreis Gütersloh, wo ich vor gut 27 Jahren geboren wurde. Mein Interesse lag schon immer im sozialen Bereich, so dass ich nach dem Abitur gleich ein Freiwilliges Soziales Jahr auf den Philippinen absolvierte, wo ich in erster Linie mit Straßenkindern arbeitete. Kaum zurück in Deutschland, schloss ich das Studium zur Sozialarbeiterin an der Katholischen Hochschule in Paderborn an. Innerhalb dieses Studiums absolvierte ich mein erstes Praktikum in der AIDS-Hilfe Paderborn, wo ich Präventionsarbeit sowohl in Schulen als auch im Strafvollzug leistete. Und was soll ich Euch sagen? Es hat mir so gut gefallen, dass ich dabei blieb und mich fortan erst einmal ehrenamtlich in der AIDS-Hilfe Paderborn engagierte. Dort auch im Vorstand, zuletzt als erste Vorsitzende im neu gegründeten Förderverein AIDS-Hilfe Paderborn e. V. 

Hauptberuflich arbeite ich derzeit als Sozialarbeiterin in einem Jugendtreff in Paderborn, zuvor sammelte ich erste Erfahrungen in Kindertagesstätten und in der Flüchtlingshilfe. Ich kann also gut und gerne von einem soliden praktischen Wissen sprechen, welches durch meine Ausbildung auch theoretisch gut untermauert ist.

Speziell zu den Frauen kam ich durch mein Masterstudium "Angewandte Sexualwissenschaft" an der Hochschule Merseburg, das ich mit der Masterarbeit zum Thema "PositHIV entbinden – Aktuelle Herausforderungen HIV-positiver Frauen während Schwangerschaft und Geburt" im September 2016 abschloss.

Natürlich begegnete mir in meiner Zeit in der Aidshilfe auch die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids, bekannt unter der Marke XXelle, und ich begann, auch hier meine Fühler auszustrecken. Die Vernetzungsarbeit innerhalb der LAG ist großartig und wichtig und hilft vielen kleineren und ländlicheren Regionen sehr dabei, Aktionen für Frauen mit HIV und deren Angehörige anzubieten und finanziell überhaupt stemmen zu können.

Das führt mich zu den bereits angesprochenen Themenbereichen, in denen ich mich engagieren möchte. Denn ein mir sehr am Herzen liegender Punkt ist eben jener ländliche Bereich und die unzureichende medizinische Versorgungssituation dort. Ich möchte mich im Vorstand für einen einfachen Zugang zu medizinischer Versorgung auch außerhalb von Ballungsgebieten einsetzen. Frauen mit HIV leben vorwiegend dort und nicht in den Großstädten, daher ist es mir auch so wichtig.

Als zweiten Schwerpunkt habe ich mir den Generationenwechsel ausgesucht, der derzeit stattfindet. Die neue Generation von Jungpositiven, findet sich oft noch nicht wieder in den Aidshilfen und deren Arbeit, die sich ja ebenfalls im ständigen Prozess befindet. Ich möchte erreichen, dass der Landesverband von allen Generationen HIV-Positiver als ihr Interessenvertreter wahrgenommen wird und ein Dialog stattfinden kann.

Mein dritter Schwerpunkt – und ich bitte in der Aufzählung keine Hierarchie zu erkennen – fällt auf die landesweite Frauenarbeit XXelle und die Unterstützung der Aktivistinnen von XXelle PLUS. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass die Rolle der Frauen im Bereich HIV/Aids in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Ihr wisst, wovon ich rede. Die Gesellschaft soll die Frauen mit HIV wahrnehmen, ihre Ängste vor Stigmatisierung und auch ihre medizinischen Bedürfnisse erkennen, die sich durchaus von denen der Männer unterscheiden können.

Das waren die Prioritäten, die ich meiner Bewerbung zugrunde gelegt hatte. Im Vorstand angekommen, haben wir uns gemeinsam auf die Themengebiete „Frauen und Kinder mit HIV“, „Youthwork“ und „Leben mit HIV“ geeinigt, da diese sowohl meinen bisherigen Erfahrungen als auch meinen Wünschen am nächsten kamen.

Soviel erstmal für meinen ersten Kolumnenbeitrag. Ich wünsche mir sehr, dass wir gemeinsam gut vorankommen in unserem Streben, die Lebensumstände von Frauen mit HIV zu verbessern sowie allen Menschen Möglichkeiten zu eröffnen, sich vor HIV und/oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen. Was soll ich noch sagen? PACKEN WIR´S AN!

Bis bald wieder,
Eure Johanna

Termine

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Frauen und HIV Info

Auf der Internetseite frauenundhiv.info der Deutschen AIDS-Hilfe finden Sie weitere Informationen zum Thema Frauen, HIV und Aids.

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