XXelle Aachen und XXelle Rheinland – eine kraftvolle Verbindung

Aachen hat nicht nur den Schrein Karls des Großen in seiner Schatzkammer. Aachen hat auch eine Aidshilfe und darin zahlreiche ehren- und hauptamtliche Menschen, die Großes bewegen. Beispielsweise Alex, die Kämpferische.

Aber beginnen wir von vorne: Am XXelle Standort Aachen kommt Vieles zusammen: Die Stadt liegt im Drei-Länder-Eck zwischen Belgien und den Niederlanden, was nicht nur die Atomkraftgegner in Unruhe versetzt. Beruhigend für einige Frauen mit HIV aus Belgien ist die Tatsache, dass es in Aachen eine Schwerpunktpraxis gibt. Belgische Frauen, die im deutschsprachigen Teil des Landes ansässig sind und mit HIV leben, kommen zur medizinischen Versorgung/Untersuchung nach Aachen. Warum? Weil es in Belgien ansonsten nur noch in Lüttich Behandlungsmöglichkeiten gibt, also im französischsprachigen Teil. Um den damit verbundenen Verständigungsproblemen aus dem Weg zu gehen, wählen die Frauen die Praxis in Aachen. 

Sie kommen aber ebenso zur Beratung und zum gegenseitigen Austausch von Belgien nach Aachen. Neben der sprachlichen Komponente mag dabei eine gewisse Angst davor, als HIV-positiv geoutet zu werden, eine Rolle spielen. Die Frauen ziehen es vor, eine Beratung nicht dort in Anspruch zu nehmen, wo sie erkannt werden könnten, wo man sie "sehen“" könnte. So hat die AIDS-Hilfe Aachen schon einige Belgierinnen begleitet, dann und wann in Zusammenarbeit mit entsprechenden Beratungsstellen in Eupen/Malmedy. Alex berichtete beispielsweise über eine belgische Frau mit HIV, die ihr Kind an einer örtlichen Schule anmelden wollte und dabei erfahren musste, dass ihr vonseiten der Elternschaft plötzlich massiver Widerstand entgegenschlug. Einige Eltern taten sich zusammen und forderten per Unterschriftenaktion einen HIV-Test von dem Kind. Das war sowohl für die Mutter als auch für das Kind ein Schock und schwer zu bewältigen. Die Frau suchte Rat und kam nach Aachen, auch, weil sie die deutschsprachige Gemeinschaft in Ihrer Umgebung als sehr kritisch empfand. Von der AIDS-Hilfe Aachen wurde Kontakt zu einer Beratungsstelle in Belgien aufgenommen, mit der sie schon länger kooperiert. Diese wiederum sprach die Verantwortlichen in der Schule an. Es ging gut aus – zumindest für die Frau und ihr Kind, denn die Kinder der Eltern, welche die Aktion ins Leben gerufen hatten, wurden am Ende von der Schule verwiesen.

Natürlich ist die Tätigkeit für die Frauen mit HIV aus Belgien oder Holland nur ein kleiner Teil des Kuchens. Auch in Aachen und Umgebung wohnen HIV-positive Frauen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen. Ihre Anzahl wie auch die Anforderungen an die Arbeit der Beratungsstellen haben sich mit dem steigenden Alter der Menschen mit HIV wie auch mit der Migrationsbewegung noch einmal deutlich verändert. Es geht jetzt verstärkt auch darum, die Menschen im Alter zu begleiten, Sprachbarrieren und Ängste zu überwinden und in andere Kulturen einzutauchen. Manche der Aachen zugewiesenen Frauen mit Fluchtgeschichte sind schwanger und bedürfen einer anderen Begleitung als die Frauen, die vielleicht schon lange Jahre mit HIV leben.

Wie positiv die Vernetzung von XXelle sein kann zeigt sich auch bei geflüchteten Frauen, die innerhalb Nordrhein-Westfalens den Standort wechseln müssen. Wenn sie in Münster ankommen, werden sie bisweilen auch Aachen zugeteilt. Hatten sie in Münster schon Kontakt zur dortigen AIDS-Hilfe aufgenommen, kann diese sich schon vorbereitend mit der AIDS-Hilfe Aachen verständigen und die Frauen ankündigen. Anträge können auf diese Weise bereits vorformuliert werden, damit es nachher schneller geht. Ist die Frau schwanger, so kann man schon mit der Suche einer gynäkologischen Praxis starten, damit sie von Anfang an gut begleitet wird, etc.

Natürlich kommt der Vernetzung auch an anderer Stelle große Bedeutung zu. Aachen ist zusammen mit Bonn und Köln in XXelle Rheinland verbunden. Hier tauschen sich die Frauen aus den Aidshilfen aus. Erfahrungen und Anregungen werden vermittelt, Handlungsoptionen werden weitergegeben und Angebote können gebündelt werden. So hat die AIDS-Hilfe Aachen seit einigen Jahren eine Selbsthilfegruppe für Frauen namens ACTHIV initiiert, welche auch über die Stadt hinaus und in XXelle Rheinland beworben wurde. In den letzten Jahren nahm das Interesse daran jedoch stetig ab, so dass die Anbieterinnen über Optimierungsmöglichkeiten nachdachten. Zusammen entwickelten die Frauen der XXelle-Beratungsstellen einen Fragebogen, um zu erfahren, was sie wie attraktiver gestalten können. Diesen Fragebogen legten sie auch in den Schwerpunktpraxen der Region aus, denn es sollten auch die Frauen angesprochen werden, die noch nicht in Kontakt zu einer Aidshilfe standen. In Kürze kommt es zur Auswertung der Bögen.

XXelle Rheinland gestaltet auch einmal jährlich ein gemeinsames Angebot. Im letzten Jahr traten die Frauen mit der Pussy-Hat-Aktion zum Internationalen Frauentag an die Öffentlichkeit. In diesem Jahr organisieren sie gemeinsam ein internationales Buffet in Köln. Seien Sie also gespannt auf den November!

Der XXelle Standort Aachen bietet neben seinen Präventionsmaßnahmen für Sexarbeiterinnen auch Empowerment-Veranstaltungen für Frauen an. In der Gemeinschaft können sich viele Ängste lösen. Die Frauen sprechen über das, was sie bewegt. Neu hinzugekommene Frauen tauschen sich aus mit bereits "Erfahrenen", die vieles davon schon erlebt haben und berichten können, wie sie mit der ein oder anderen Situation umgegangen sind. So wird in den Zusammenkünften auch über das Thema „Wie sage ich es meinem Kind?“ diskutiert, wozu manch eine Frau schon etwas berichten kann. Im besten Fall werden die erarbeiteten Möglichkeiten und neuen Sichtweisen über die Treffen hinaus getragen, bei anderen Zusammenkünften oder Begegnungen in der ärztlichen Praxis.

Die Erfahrung, dass eine Frau mit HIV nicht alleine sein muss, bewirkt oftmals viel an Stärke, Mut und Erleichterung. Manch eine kann sich auf diese Weise schon im Vorfeld eine Strategie für befürchtete Situationen oder Begegnungen zurechtlegen. "Es passiert viel aus dem Miteinander der Frauen" – berichtet Alex dazu. Dem Miteinander dienen letztlich auch die Angebote zur Steigerung der Entspannung und Selbsthilfekräfte. Hier schöpfen die Frauen neue Energie und nehmen vielleicht die ein oder andere Anregung auf, die sie weg vom Tunnelblick auf eigene Defizite hin zu einem positiven Blick auf die eigenen Stärken führt. Die Gemeinschaft weitet den eigenen Blick und es entstehen Möglichkeiten, die man selbst vielleicht nicht hat sehen können. "Ich nehme Dich ganz anders wahr und finde Dich toll!" – ein solcher Satz kann Berge versetzen!

Aber zurück zu Alex, der Kämpferischen. Sie selbst musste vor einiger Zeit in einem Aachener Krankenhaus stationär behandelt werden und kam aufgrund der Art und Weise, wie dort mit ihr und ihrer HIV-Infektion umgegangen wurde, schnell an ihre Grenzen. So sollte sie aus Hygienegründen einen Toilettenstuhl nutzen, was sie ablehnte. Sie stieß auf alte, seit 2008 wissenschaftlich widerlegte Vorurteile bezüglich der Infektiosität von Menschen mit HIV. Das konnte sie so nicht stehen lassen, zumal es sich nach einigen Gesprächen mit dem Klinikpersonal als ein strukturelles Problem darstellte. Zusammen mit Ihren Kolleg*innen der AIDS-Hilfe Aachen schaffte sie es letztlich, neue Denkweisen und Inhalte zu vermitteln. Und siehe da: Jetzt ist es auch in Aachen möglich, als Frau mit HIV vaginal zu entbinden. 

"Es gibt Möglichkeiten und Bündnispartner, die man nutzen kann. Und ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man solche Situationen nicht anspricht, sondern damit nach Hause geht", sagt Alex und zeigt einmal mehr, wieviel wir noch bewegen können und wie wichtig es ist, für das eigene Wohlgefühl Verantwortung zu übernehmen.

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