Migration

Vernetzung stärkt und zeigt neue Wege auf

Die Diagnose HIV-positiv kann für Frauen viele Fragen und Ängste aufwerfen. Oft ist zunächst nicht klar, inwieweit das Virus zum Beispiel die berufliche und private Lebensgestaltung betrifft. Wie wird es sich auf Beziehungen zu Partner*innen oder Kindern auswirken, oder auch die Suche nach eine*r Partner*in oder einem Job beeinflussen?Hinzu kommt, dass Frauen mit HIV trotz hoch wirksamer Therapien immer noch Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren. Sie erleben sie in medizinischen Behandlungen, am Arbeitsplatz und in ihrer Freizeit. Insbesondere Frauen die nicht fließend Deutsch sprechen, eine dunkle Hautfarbe haben oder ein Kopftuch tragen, sehen sich häufig gleich mehreren Formen der Diskriminierung ausgesetzt und werden in ihrem Alltag mit strukturellem Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Unaufgeklärtheit bezüglich HIV-Infektionen und möglicher Therapien konfrontiert.

Diese Erlebnisse sind traumatisierend, verletzen ihre Integrität und beschädigen sie in ihrem Selbstwertgefühl. Während hier auf gesellschaftlicher Seite sicher noch viel Aufklärungsarbeit von Nöten ist, gilt es aber auch die Frauen zu stärken und ihnen Ressourcen zugänglich zu machen.

Kelly Cavalcanti, eine einundfünfzigjährige Aktivistin und gebürtige Brasilianerin, weiß das aus eigener Erfahrung und plante und organisierte vor diesem Hintergrund für die Aidshilfe NRW einen Workshop, der sich an Migrantinnen mit HIV richtete. Unterstützung holte sie sich dafür von Sandra Karangwa, einer Referentin für Antidiskriminierung der Stadt Köln, und der Co-Moderatorin Alphonsine Kayinamura von der Bonner Aidshilfe.

Eigentlich war das Seminar für zwanzig Teilnehmerinnen geplant, aber wegen der Corona-Pandemie konnten sich an einem Wochenende im September nur 11 Migrantinnen im „Haus am Turm“ in Essen treffen.

Es zeigte sich, dass das am Waldrand gelegene Tagungshaus ein guter Ort war, um zur Ruhe zu kommen und sich auszutauschen. Nach der Anreise am Freitagabend und einem gemeinsamen Essen gab es in einer ersten Vorstellungsrunde die Möglichkeit, etwas mehr über die jeweilige Herkunft und aktuelle Situation in Deutschland zu erfahren. Der Samstag begann mit Achtsamkeits- und Selbstwahrnehmungsübungen. So entstand ein geschützter Raum in dem die Frauen einander vertrauensvoll begegnen konnten.

In einer anschließenden Präsentation schilderte Sandra Karangwa ihre Arbeit in der Antidiskriminierungsstelle, konkretisierte den Begriff der „Mehrfachdiskriminierung“ und gab auch wertvolle Tipps für Unterstützungsangebote und rechtliche Möglichkeiten.Anschließend konnten die Teilnehmerinnen in Kleingruppen eigene Erfahrungen schildern und an diesen konkreten Beispielen diskriminierende Strukturen benennen und Lösungsstrategien entwickeln. So schilderte zum Beispiel eine Teilnehmerin, dass die Gynäkologin in ihrem Mutterpass vermerkt hatte, dass sie HIV-positiv ist. Dies führte dazu, dass die werdende Mutter sich bei allen Folgeuntersuchungen erklären musste und mitunter als Risiko für das medizinische Personal galt. Natürlich gab es weder für die Annahme, dass sie ein Gesundheitsrisiko für andere darstelle, noch für den Vermerk der Infektion eine medizinische oder rechtliche Grundlage, dennoch wurde es der Frau zugemutet.

Fälle wie diesen offenbaren nicht nur mangelnde Empathie des medizinischen Personals, sie zeugen auch von Unkenntnis und machen deutlich, dass auch in diesem Bereich für die Aidshilfe noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist.

Kelly und ihrer Co-Moderatorin war es wichtig, zu vermitteln: du bist nicht allein mit deinen Erfahrungen. Du wirst gesehen und gehört und es gibt Möglichkeiten der Unterstützung für dich und es gibt innerhalb und außerhalb der Aidshilfe Beratungsangebote die sowohl rechtliche als auch psychosoziale Hilfe bieten.

In der abschließenden Feedbackrunde am Sonntag äußerten sich die Frauen sehr zufrieden mit den Inhalten des Seminars. Durch die Gespräche und die Möglichkeit zur Vernetzung über diese drei Tage hinaus fühlten sie sich gestärkt und empowert und äußerten den Wunsch, dass dieses Format zu einem regelmäßigen Angebot werden würde.

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Frauen und HIV Info

Auf der Internetseite frauenundhiv.info der Deutschen AIDS-Hilfe finden Sie weitere Informationen zum Thema Frauen, HIV und Aids.

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